Bärbel Claus

Liebe Bärbel, 

es ist nie der richtige Zeitpunkt, es ist nie der richtige Tag, es ist nie alles gesagt und es ist immer zu früh.

Was bleibt sind Erinnerungen, Gedanken, Gefühle schöne Stunden und einzigartige Momente, die unvergessen bleiben. Diese Momente gilt es festzuhalten und für immer im Herzen zu bewahren.

Verrückt, wie sich Lebenswege kreuzen, verschlingen, wieder auseinander gehen und doch immer wieder finden. Unsere Wege haben sich vor über 50 Jahren gekreuzt. Ich war junge Akkordeonspielerin bei den »Kleinen Tagen der Harmonika« Ende Februar in Klingenthal. Du warst Akkordeonlehrerin aus Dresden, oder auch Jurorin in diesem Wettbewerb. Wie es bei solchen Wettbewerben üblich, war die Anzahl der Spieler und auch Lehrer überschaubar. Über die Jahre entstanden oft freundschaftlich, wertschätzende Verbindungen.

Ich habe das Akkordeonunterrichten zu meinem Beruf gemacht, in Rostock studiert, und am Ende des Studiums war dann die Frage, wo werde ich mich niederlassen? Offiziell da, wo der Staat mich braucht! Es war ja noch DDR! Da ich auf keinen Fall im Norden des Landes bleiben wollte, machte ich mich auf verschiedenen Wegen, Informationen zu freien Akkordeon-Stellen in einer Musikschule in Heimatnähe zu bekommen. Und da, liebe Bärbel, kamst du wieder ins Spiel! Du, nun junge Fachberaterin des Fachs Akkordeon im Bezirk Dresden, warst eifrig und ehrgeizig dabei die freien Akkordeonstellen in den umliegenden Musikschulen zu besetzen. 1984 fing ich in der Musikschule Freital an zu arbeiten. Meine Fachberaterin Bärbel begleitete mich mit viel Zeit und Geduld.

Mit Hinweisen, Tipps, anregenden Gedanken, motivierender Kritik warst du für mich da. 1990 konnte ich mit Fürsprache von dir die Stelle wechseln, nun waren wir Kolleginnen an einer Musikschule. Die 90-iger Jahre brachten viele Turbulenzen in unser Leben und unser Land, auch in die Musikschulen. Lehrwege, Methoden, Literatur, pädagogische Vorgehensweise … alles wurde in Frage gestellt. Nun waren wir beide neugierig, fuhren in die »Altbundesländer« machten Fortbildungen, verschiedene Veranstaltungen, Wettbewerbe, Konzerte … Kurse … Es war eine gemeinsame, intensive Zeit!

Als Kolleginnen lernten wir uns schätzen, waren natürlich nicht immer einer Meinung. Und das ist gut so! Reger Gedankenaustausch, das Probieren verschiedener Lehrwege, das Suchen nach geeigneter Literatur … und immer wieder das möglichst begeisterte Musizieren der Schüler … stand und steht im Vordergrund. Als Leiterin verschiedener Ensembles, Kinder-, Jugend- und dann auch dem Erwachsenen-Orchester, hast du uns alle geprägt. Sicherheit, immer Ziele, Wettbewerbe, langfristig Termine vorbereiten, 
Konzerte, Reisen unternehmen … es gab immer etwas, worauf wir hinarbeiteten und uns freuen konnten!

Nun hast du deinen »Staffelstab« weiter gereicht. Mit Freude, Güte, Wertschätzung und kleinen Hinweisen nahmst du nun Anteil an meiner Arbeit. Auch wenn wir nicht immer in Konsonanz vereint waren, die Liebe zur Akkordeonmusik hat uns tief verbunden.

Danke, für deine Worte, 
Danke, für die vielen Erlebnisse
Danke, für deine Stabilität 
Danke, für deine Kontinuität 
Danke, dass du viele Jahre meine wertvolle Wegbegleiterin warst! 

Nachruf von Veronika Wende