Statements, Plädoyers, Redebeiträge

Rede zur Verleihung der Johann Walter Medaille 2026

Liebe Preisträger:innen,
sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Gäste und Gästinnen,

Heinrich Schütz, sicherlich bedeutendster Schüler von Johann Walter, dessen Name diese Medaille trägt, schrieb im Jahr 1672 rückblickend über das Wirken seines Oberlausitzer Kollegen Andreas Hammerschmidt:

Ich ließ meine Musica zu meiner Zeit von Anfang also spielen,
als ich die Musik als Friedensprache vor mich nahm.
Daher gelang es mir, daß ich darauf bei vielen
(ich rühme mich zwar nicht) doch auch ein Lob bekam.

Und wollte Gott, daß die, die wollten Meister heißen,
in humanitatis Denkart erst wären abgericht’,
was gilt's, wir würden uns auf bessern Ruhm befleissen,
als sonst mit schlechtem Lob zum Nachteil oft geschicht.

Fahrt fort, ihr weislich denkend Musici, 
als wie ihr tut, der Weg ist schon getroffen,
die Bahn ist aufgesperrt, ihr habt den Zweck erblickt.
Es wird in’s Künftge mehr von euch noch sein zu hoffen,
weil ihr schon allbereit so manchen Geist erquickt.

Wer dieses nimmt in Acht, der wird nach vielen Zeiten
noch bleiben, wenn die Welt auch schon zu Trümmern geht
und sich in der Musik ein wahres Lob bereiten,
denn dieses ist der Grund, darauf der andre steht.

weil ich lebe
(frei nach) Heinrich Schütz

Musik als Friedenssprache

Es ist bemerkenswert, dass ein Musiker des 17. Jahrhunderts nicht von Virtuosität, Ruhm oder Erfolg spricht, sondern von Humanität, von Verständigung und vom Dienst am Gemeinwohl. Darin liegt bis heute die eigentliche Bedeutung der Musik. Sie schafft Gemeinschaft, wo Unterschiede trennen. Sie stiftet Sinn, wo Orientierung verloren geht. Und sie erinnert uns daran, dass Kultur niemals Selbstzweck ist, sondern immer auch eine gesellschaftliche Aufgabe.

Deshalb ehren wir heute nicht nur herausragende musikalische Leistungen. Wir ehren Menschen, die Verantwortung übernommen haben. Persönlichkeiten, die ihre Begabungen in den Dienst anderer stellen. Wir ehren eine Künstlerin von internationalem Rang, die ihre Kunst nicht allein auf den Konzertpodien dieser Welt entfaltet, sondern als Vermittlerin und Musikpädagogin weit in die Gesellschaft hineinwirkt. Und wir ehren eine Musikpädagogin, die kirchenmusikalisch so nachhaltige Akzente in eine ganze Region sendet, dass man sie mit gleichem Recht auch als Kulturmanagerin bezeichnen darf. Wir ehren einen Kulturmanager von herausragender Profilierung, der zugleich selbst Künstler von internationalem Rang ist. Da schließt sich der Ring des …, nein, der Ring, der heut wird gesungen.

Mit der Auszeichnung dieser drei Persönlichkeiten möchte das Präsidium des Sächsischen Musikrates aufmerksam machen, auf herausragendes Engagement. Die Lebensader einer gedeihlichen Musikpflege und eines vielfältigen Kulturlebens in Sachsen besteht in der Bewässerung unterschiedlichster Kulturlandschaften. Die weithin sichtbare Landesschau dieses geistigen Anbaus sind Festivals, die Jahr für Jahr internationale Aufmerksamkeit auf Sachsen lenken. Das Moritzburg Festival oder die Dresdner Musikfestspiele entwickeln unter der Leitung von Jan Vogler immer wieder eine Strahlkraft, die weit über Deutschland hinausreicht. Die Grundlagen dafür werden an anderer Stelle gelegt. Sie entstehen, von der Öffentlichkeit weniger beachtet, im ländlichen Raum. Dort wird die Basisarbeit geleistet: die Bewahrung heimischer Klangpflanzen, die behutsame Aufzucht junger Setzlinge und das ständige Gießen der Lust am Musizieren. Dort sorgt das Licht von Toleranz, Offenheit und gegenseitigem Respekt dafür, dass kulturelles Leben wachsen kann, dass Landmusikorte entstehen.

In Elke Groß besitzt unser Land eine solche begabte Musikgärtnerin. Ihre Verdienste verdienen höchste Anerkennung, auch wenn sie naturgemäß weniger öffentliche Aufmerksamkeit erhalten als jene, die auf den großen Bühnen stehen. Doch was geschieht mit diesen Setzlingen aus Hochkirch und Umgebung? Bei geduldiger Pflege werden aus ihnen Kulturpflanzen. Sie finden ihren Platz auf den Feldern der Konzertangebote, in den Gärten der Spielpläne unserer Theater und Orchester, und als Multiplikatoren in Chören, Bands und Ensembles aller Art. Und manchmal trägt eine dieser Setzlinge das Potenzial zur Zierpflanze in sich. Wenn dieses Potenzial erkannt, gefördert und begleitet wird, entstehen nach vielen Jahren der Aufopferung und des disziplinierten Wachsenwollens der Pflanze selbst, jene Orchideen, Rosen und Vergissmeinnicht, die eine Musiklandschaft unverwechselbar machen. Menschen, die künstlerische Traditionen fortschreiben, neue Wege eröffnen und dafür sorgen, dass Sachsen auch weiterhin auf der botanisch-musikalischen Weltkarte sichtbar bleibt.

Isabel Schicketanz ist eine solche Zierde unserer mitteldeutschen Musiklandschaft. Der SMR empfindet es als besondere Ehre, alle drei auf ganz unterschiedliche Weise zu unseren Partnerinnen und Partnern zählen zu dürfen. Sie alle zeichnen sich durch viel mehr als ihr beruflichen Erfolg aus. Sie sind demokratisch und humanistisch fest verankert, Sie verfügen über einen klaren moralischen Kompass. Und sie wirken aus dieser Haltung heraus segensreich für unser Gemeinwesen. Gerade deshalb erscheint mir die heutige Ehrung nicht nur als Würdigung individueller künstlerisch-musikalischer Leistungen. Sie ist auch ein Bekenntnis. Das Bekenntnis zu einer offenen, freiheitlichen Gesellschaft. Zu einer Gesellschaft, die Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung versteht. Zu einer Gesellschaft, die weiß, dass Kunst und Kultur nur dort gedeihen können, wo Freiheit eines jeden herrscht.

Die künftig stärkste Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt hat angekündigt, nur noch Kunst fördern zu wollen, die einer deutschen Identität dient, was auch immer Schlimmes damit gemeint ist. Die Übergroße Menge an Literatur des kulturellen Erbes der Menschheit, die dieser unsinnigen Einengung regelrecht zuwiderläuft, gehört dann nicht mehr zum förderwürdigen Kanon.

Heinrich Schütz’ Musik darf sicher gesungen und gespielt werden, ist ja deutsch, – allein mir fehlt der Glaube, dass die Fähigkeit, dessen Musik auch nur ansatzweise verstehen zu können, vorhanden wäre bei den Agierenden dieser Denkrichtung. Und dass er, Heinrich Schütz, obwohl als Urvater eintretend für die deutsche Sprache in der Musik, sein ganzes Wirken als unzweifelhaft europäisches verstanden hat, wird wohl auch nicht verstanden – Missverständnisse gepaart mit Unkenntnis und Intelligenzbashing – das wird zu schweren Verwerfungen führen. Dann wird Herkunft und Zuschreibung wichtiger als Qualität. Dann wird kulturelle Offenheit durch kulturelle Verengung ersetzt. Ich verweigere den Konjunktiv nicht um polemisch zu argumentieren, ich mahne sachlich beschreibend aufgrund analytischer Beobachtung unseres Alltages.

Ich zitiere: »Nimmt das den jemand ernst? Es ist doch wirklich eine Zumutung an ein Volk, das nicht ein Volk der Analphabeten ist, mit einer derartigen Torheit sich beschäftigen zu müssen. Und doch, man sieht, wie viele darauf hereinfallen … welche Verrohung wird dadurch ins Volk getragen. Ein solcher Verhetzungston ist im Umlauf, dass das nur zur Mordhetze führen kann. Früher hat man von der Masse gesprochen, der man die Autorität gegenübersetzen müsse. Heute appelliert man an den Mob auf der Straße. Dadurch wird Verhetzung in alle diese Kreise hereingetragen und jede Koalition des Bürgertums unmöglich. Der Geist der Zeit geht dahin, dass das Volk überhaupt keine Einheit mehr ist, dass es sich gegenseitig nur noch verachtet oder sich anspuckt, anstatt gegenseitig miteinander zu leben. Ich habe das Empfinden, dass wir, vermögende Leute und andere, geradezu hineinleben in den Tag, ohne uns irgendwie klarzumachen, wie diese Dinge einmal enden sollen.« (Gustav Stresemann, Friedensnobelpreisträger und Reichsaußenminister, Reichskanzler a.D. Letzte Reichstagsrede 30. September 1929 – nicht 1933!)

Jetzt zurück ins Jahr 2026

Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, Musik als links, rechts oder mittig zu definieren. Gute Musik verlangt differenziertes Hören. Sie verlangt Offenheit. Sie verlangt Neugier. Sie eröffnet neue Perspektiven. Genau deshalb ist sie ein Gegenentwurf zu jeder Form geistiger Enge. Sie, verehrte Preisträger:innen, zeigen uns, dass kulturelle Exzellenz und gesellschaftliche Verantwortung keine Gegensätze sind. Sie zeigen uns, dass Bildung und Kultur nicht nur Kostenfaktoren öffentlicher Haushalte sind, sondern Voraussetzungen einer freien und demokratischen Gesellschaft. Und sie erinnern uns daran, dass wir alle Verantwortung dafür tragen, die kulturellen Gärten unseres Landes zu pflegen.


Der SMR hat in Johann Walter einen starken Paten: Er, Walter, wollte dem göttlichen Wort seinen Platz im alltäglichen Leben zurückgeben und zugleich gegen den um sich greifenden Werteverfall auftreten. Dieser manifestiere sich in einer korrupten Wirtschaft, dem Niedergang der Familienmoral, in Ausschweifung, in Zügellosigkeit der Jugend, in Kleiderluxus sowie in der Auflösung der Ständegesellschaft, kurzum einem oberflächlichen Christentum.

Liest sich nicht sein 465 Jahre altes Lied, als sei es 2026 gedichtet?

Wach auf, wach auf du deutsches Land

Die Wahrheit wird jetzt unterdrückt,
will niemand Wahrheit hören;
die Lüge wird gar fein geschmückt,
man hilft ihr oft mit Schwören;
dadurch wird Gottes Wort veracht’,
die Wahrheit höhnisch auch verlacht,
die Lüge tut man ehren.

Das helfe Gott uns allen gleich,
dass wir von Sünden lassen,
und führe uns zu seinem Reich,
dass wir das Unrecht hassen.
Herr Jesu Christe, hilf uns nu’
und gib uns deinen Geist dazu,
dass wir dein Warnung fassen.

Musik muss frei spielen, sie darf unterhalten, sie kann leicht und verrückt sein, bunt, auch massentauglich und banal oder intellektuell herausfordernd  kann sie erlebt werden – vieles mehr wäre anzuführen.

Wir aber, in unserer Blase, eine, und das meine ich ausdrücklich nicht arrogant, elitären denkfähigen Minderheit, wir sind gefordert unseren Kindern, auch den sogenannten bildungsfernen, eine Welt zu schenken, in der die Freude am Denken und der Schulung des Empfindens der größte Raum eingerichtet wird. Die Corana-Kinder- und Jugendgeneration hat überproportional schwer gelitten, wir Erwachsenen sind ihnen jetzt Haltung und Handlung schuldig.

Ich möchte in einem Land leben, in dem die Mehrheit der Menschen ihre Stimme erhebt für das Wesen der Musik als »fortgeführtes Wort«. So beschreibt es Heinrich Schütz. Ein Wort des Humanismus, des friedlichen Zusammenlebens und der Solidarität. Ich möchte mit möglichst allen Johann Walters Überzeugung teilen:

Dass wir von Sünden lassen,
dass wir das Unrecht hassen.

Herzlichen Glückwunsch den Trägerinnen und Trägern der Johann-Walter-Medaille.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Milko Kersten
Torgau, 21. Juni 2026

Grußwort zur Auszeichnung »Landmusikort des Jahres 2025« für Hochkirch

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Musikfreundinnen und Musikfreunde,
liebe Bürgerinnen und Bürger von Hochkirch,
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
liebe Kinder und Jugendliche,

es ist mir eine große Freude, heute hier in Hochkirch zu sein – inmitten des wunderschönen Landkreises Bautzen, der mit seiner kulturellen und landschaftlichen Vielfalt weit über Sachsen hinaus bekannt ist. Mit dem Preis »Landmusikort des Jahres« würdigen der Deutsche Musikrat und der Bundesmusikverband Chor & Orchester in diesem Jahr insgesamt 13 Kommunen, die mit ihren musikalischen Aktivitäten, ihrer Kreativität und ihrem ehrenamtlichen Einsatz Maßstäbe setzen. Sie sind Leuchttürme der Musikkultur, die weit über ihre Gemeindegrenzen hinausstrahlen. Herzlichen Glückwunsch an Sie alle!

Hochkirch wurde aus den folgenden Gründen von der Jury als 3. Bundespreis ausgewählt: » In der Gemeinde Hochkirch in Sachsen spiegelt sich das musikalisch-kulturelle Leben in einer Vielfalt an musikalischen Stilrichtungen: von Rock-Festival, Kirchen-und Orgelmusik, Jazz-Klängen, Heimatmusik, Klavierkonzerte, Chor- und Countrygesang bis hin zu Singspielen ist alles vertreten. Mit mehr als zehn musikalischen Ensembles bietet Hochkirch mit hohem ehrenamtlichem Engagement mehr als 20 Veranstaltungen im Jahr. Die Gemeinde legt großen Wert auf niedrigschwellige musikalische Angebote und arbeitet eng mit den ortsansässigen sorbischen Interessenverbänden zusammen, um die sorbische Sprache und Kultur zu fördern. Gerade in ländlichen Räumen wie hier in Hochkirch spielt Musik eine besondere Rolle: Sie stiftet Identität, bringt Generationen zusammen und macht Kultur unmittelbar erlebbar.« 

Mit dem Titel »Landmusikort des Jahres 2025« wird heute nicht nur ein musikalisches Projekt gewürdigt, sondern ein Ort, an dem Engagement, Kreativität und Zusammenhalt spürbar sind. Ich weiß, dass es in Hochkirch viele verschiedene musikalische Gruppen gibt, die wertvolle Arbeit leisten. Und alle haben sie die Wertschätzung der Musikverbände, zuallererst auch des Sächsischen Musikrates. 

Die Initiative (mit all den folgenden Antragsmühen) zur Bewerbung kam aus dem Kinderchor der Gemeinde und die Jury hat genau dieser Punkt besonders angesprochen. – Ich könnte mir vorstellen, dass es im Ort Stimmen gab, die sich gefragt haben, warum ausgerechnet der Kinder- und Jugendchor im Zentrum der Auszeichnung steht. Ich möchte sagen: Das ist gut, klug und richtig so. Denn diese Generation hat in den Jahren der Pandemiekrise besonders gelitten: Schulschließungen, Isolation, fehlende Auftrittsmöglichkeiten – all das hat Kindern und Jugendlichen unsäglich viel abverlangt. Wir Erwachsenen sind dieser Generation etwas schuldig. Wir schulden ihnen Räume, in denen sie ihre Stimme wiederfinden, Gemeinschaft erfahren und Mut schöpfen können. Wir Erwachsenen können mit Großzügigkeit etwas zurückstehen und die Kindern und Jugendlichen mit unserer Unterstützung ermutigen. Ich bin mir sicher, dass sie alle dieser Perspektive folgen können.

Musik lebt vom Miteinander – sie braucht das Zuhören, das Zusammenspiel, den Respekt für das Gegenüber. Deshalb steht diese Auszeichnung auch für eine klare Botschaft: Der Deutsche Musikrat und der Bundesmusikverband Chor & Orchester will Orte stärken, an denen Solidarität wichtiger ist als Ausgrenzung. Musik verbindet Menschen – unabhängig von Herkunft, Sprache oder Glauben – und zeigt, dass Vielfalt eine Bereicherung ist. Falsche Gruppenzuschreibungen und Feindseligkeit haben hier keinen Platz. Insofern ist die ganze Gemeinde gefordert, dem Preis auch zukünftig gerecht zu werden und in den Musikgruppen und Ensembles ein tolerantes Miteinander zu pflegen. 

Ihr Einsatz hier in Hochkirch beweist eindrucksvoll, dass kulturelle Qualität keine Frage der geografischen Größe ist. Sie zeigen, dass auch eine kleinere Gemeinden Strahlkraft entwickeln und Impulse geben kann – für die Region, für Sachsen und nun, durch den Preis, auch weit darüber hinaus. Nutzen Sie diese Auszeichnung als Ansporn, Ihre Arbeit sichtbar zu machen und noch mehr Menschen zum Mitmachen zu gewinnen. Binden sie auch Menschen ein, die das höchste Gut, in ihrer Heimat in Frieden leben zu können, schuldlos verloren haben. Erzählen Sie Ihre Geschichten, teilen Sie Ihre Erfahrungen, lassen Sie Ihre Musik weit über die Grenzen von Hochkirch hinaus klingen. Zu einem Musikfest Hochkirch 2026 mit allen ihren engagierten Musikgruppen – sollte das eine Idee sein – würde ich gern wieder Gast sein. 

Im Namen aller, die sich für die Förderung der Amateurmusik in Deutschland einsetzen, danke ich Ihnen für Ihr Engagement, Ihre Kreativität und Ihre Leidenschaft. Möge diese Würdigung ein starkes Signal sein: für die kulturelle Vielfalt in Ostsachsen, für das Miteinander der Generationen, für das Traditionsbewusstsein der sorbischen Lausitz und für eine lebendige, friedliche Gesellschaft.

Herzlichen Glückwunsch, Hochkirch – und weiter so!

Prof. Milko Kersten
Präsident des Sächsischen Musikrates
Hochkirch, 21. September 2025

Grußwort des Präsidenten des Sächsischen Musikrates zum Festkonzert 15 Jahre Landesjugendchor Sachsen am 29.10.2023 in der Kreuzkirche Dresden


Ich komme schon durch manche Land,
avec que la marmotte,
und immer was zu essen fand,
avec que la marmotte, …


Von Beethovens Melodie zu Goethes Text gibt es eine Aufnahme, wie ich als 11-Jähriger begleitet von meinem Vater aus voller Kehle singe … Am Beginn sind es Eltern, die mit ihren Kindern singen, ihnen die Schönheit der Texte und Melodien vermitteln. Ihnen, meinen Eltern und den Eltern aller Jahrgänge des Landesjugendchores Sachsen, denen das gelungen ist, gilt mein erster Dank.


Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.


So sang ich im Schulchor der Geschwister-Scholl-Oberschule in Limbach-Oberfrohna. Außerhalb des Elternhauses, heutzutage nicht selten auch als Ersterfahrung, lernen Kinder unsere Volkslieder im Kindergarten oder der Schule kennen, wenn sie das Glück haben, dass der Musikunterricht stattfindet.

Mit großem Respekt habe ich verfolgt, mit welch enormem Engagement die Lehrerinnen und Lehrer mit allen zur Verfügung stehenden Mi(eln dafür gesorgt haben, dass unsere Kinder und Jugendlichen während und nach der Pandemie die Freude am Lernen behielten und sich, die Schwierigkeiten als Herausforderung annehmend, weiterentwickelt haben. Auf der anderen Seite hat die so lange anhaltende Isolierung viele Kinder und Jugendliche schwer belastet, zu viele wurden gar nicht mehr erreicht. Vermutlich auch in den Reihen des Landesjugendchores Sachsen?

Der Freistaat hat entschieden, dass immer noch zwischen Kern- und Randfächern zu unterscheiden sei. Der reduzierte Schulbetrieb habe sich aufgrund des Lehrermangels auf die Kernfächer zu beziehen. Natürlich müssen Priorisierungen festgelegt werden – Natürlich verstehen wir diese Intension, sehen sie aber sehr kritisch, wenn sie allein die Kernfächer fokussiert: inkludiert sie nämlich dann leider eine rückwärtsgewandte, kontraproduktive Selbstverzwergung einer modernen Bildungsauffassung. Das Recht auf musische und ethische Bildung wird marginalisiert und die Folge ist ein Dimensionsschwund. Soziale und politische Bildung, Sprache, Ästhetik, Naturwissenschaften, Philosophie und Religion – das ist der große gut klingende Kanon, der nicht ungestraft auf »Kernfächer« reduziert wird. Den Musiklehrerinnen und Musiklehrern an den allgemeinbildenden Schulen, Musikschulen und Hochschulen aller Jahrgänge des Landesjugendchores Sachsen gilt mein zweiter Dank. Liebe Sängerinnen und Sänger im Landesjugendchor – der Beruf der Musikpädagogin bzw. des Musikpädagogen ist interessant, lohnenswert und hat Zukunft – das ist eine Überlegung wert!


Wie soll ich dich empfangen, und wie begegn ich dir?


Im Dezember 1976 sang ich mein erstes Weihnachtsoratorium als Kruzianer. Unzählige weitere Aufführungen prägten meine Jugend. Ich nahm das als ein schönes, fast selbstverständliches Angebot wahr – man hatte mir ja Talent bescheinigt … Heute blicke ich mit Dankbarkeit auf diese großartige Chance der vertieften musikalischen Bildung zurück und bin glücklich zu sehen, wie viele verschiedene Angebote aktuell im Freistaat bestehen und mit großer Überzeugung von der Landesregierung unterstützt werden. Für das Vertrauen der Staatsregierung in die Arbeit des Sächsischen Musikrates und des Sächsischen Chorverbands, lieber Herr Ministerpräsident Kretschmer, danken wir sehr.

Und wie begeg’n ich dir? – nämlich der Heilsbotschaft eines Gottes, der durch Menschwerdung einen Neuen Bund anbietet – der kein Rachegott und richtender Gott, sondern ein Friedensfürst sein möchte.

Im Studium wurde mir mehr und mehr klar, wovon ich als Kruzianer die vielen Jahre gesungen hatte – die Kirchenmusik aller Jahrhunderte beschrieb die drei Wurzeln des heutigen Europas:

  • die Erfindung der Demokratie in Griechenland,
  • die Installation des bürgerlichen Rechts durch das römische Reich
  • und die jüdisch-christliche Heilsbotschaft.

Gestern Abend hat der Ministerpräsident anlässlich der HopeGala Papst Franziskus mit den Worten zitiert: »Das Mittelmeer ist zum Grab der Menschenwürde geworden.« Und er ergänzte, wir als Europäer müssen teilen lernen, wir müssen Perspektiven in den Heimatländern der tausenden Flüchtenden kreieren, damit nicht die falsche Hoffnung, in Europa sei für alle Platz und ein Leben in Wohlstand möglich, so viele Menschen ins Unglück stürzt. Danke, Herr Kretschmer, für diese klaren Worte, die uns alle fordern.

Mein abschließender Dank gilt den Mitgliedern aller Jahrgänge des Landesjugendchores Sachsen – für euer Engagement, für eure Leidenschaft und die Kraft, mit klugen und fantasievollen Programmen euch selbst und unsere Gesellschaft zu bereichern. Dank dir, lieber Ron-Dirk, für dein persönliches Engagement und alle guten Wünsche für eure weitere Arbeit!

Ihr sollt euer Jubiläum mit großer Überzeugung feiern, froh und unbeschwert auf vieles Erlebte zurückschauen und neugierig und zuversichtlich in die Zukunft schauen. Unsere Zeit lässt allerdings eine unreflektierte, ausgelassene Freude nicht zu. Ich bitte euch, liebe Chorsängerinnen und -sänger, stets mitzudenken, dass es unzählige junge Menschen gibt, die genauso gern singen würden wie ihr, denen das Menschenrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit aber verwehrt wird.

So denken wir momentan besonders an die Jugendlichen in der Ukraine, an die Mädchen und jungen Frauen in Afghanistan und Iran, an die Jugendlichen in Israel. Ohne Wenn und Aber stehen wir an der Seite des Staates Israel. Wir denken auch an die vielen friedliebenden und humanistisch gesinnten Menschen in Russland, Weißrussland und im Gazastreifen, die als Geiseln terroristischer Machthaber auf schlimme Art und Weise in Haft genommen sind und furchtbar leiden.

Und dieses Mitgefühl sollte uns wohlhabende Europäer, jung und alt, dazu veranlassen, mit Demut und Dankbarkeit anzunehmen, was wir haben dürfen. Und wir sollten verstehen lernen, dass unser Glück nicht beeinträchtigt wird, wenn wir endlich teilen und abgeben.

Wir wollen stehen für Demokratie, Recht und die Heilsbotschaft bedingungsloser Freiheit.

Dulden wir,
ich meine ganz konkret auch uns heute Abend, mit dieser Haltung ab morgen im Alltag
Spott und Hohn,
so werden wir in Bachs Tönen und der tänzerischen Kommentierung gleich die Ermutigung erfahren:

dennoch bleibst du auch im Leide,
Jesu (= Freiheit!), meine Freude!

Ausblick des Präsidenten anlässlich seiner Wiederwahl in der Mitgliederversammlung des Sächsischen Musikrates am 13. Mai 2023

Da stehe ich nun als wiedergewählter Präsident und bedanke mich aufrichtig für ihr Vertrauen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen, mit dem neu zusammengesetzten Präsidium und denke einmal laut nach, etliche von mir geschätzte Literaten zitierend:

»Nun, wie dem auch sei: ich wäre gern ein anderer geworden, zum Beispiel einer, der wider den Stachel löckt, aber ich weiß nicht wie man löckt, kenne auch keinen, der es mir sagen könnte oder der es gar tut, es sei denn, er löcke insgeheim. Vielleicht hätte ich einsamer Rufer in der Wüste werden sollen, aber das erschien mir allzu pathetisch und unzeitgemäß. Gewiss, wenn niemand zuhörte, wäre ich mit meinem Pathos allein, aber vielleicht eben doch zu allein, so dass dieses Pathos verschwendet wäre. Überdies macht diese Tätigkeit heiser. Vielen dieser Rufer ist die Kehle ausgetrocknet, so dass sie sich eine andere Berufung wählen mussten.«

Ich wage mich aufs Feld und nehme die Wahl zum Präsidenten des SMR, einem »ehrenamtlich bestellten Rufer« an.

Unsere strategischen Ziele möchte ich herausstellen

Aller musikalischer Ausformung geht eine solide Basis voraus. Der SMR sieht die dringende Notwendigkeit bei der musikalischen Bildung in Sachsen nicht den »Status quo ante Corona« wiederherzustellen, sondern den Reformbedarf, der davor bereits aufgelaufen war anzunehmen.
Schnittstellenbearbeitung zu den Themen: Musik in den Kindergärten, Jeki, Jekis, Jugendkunstschulen, VDM Musikschulen, institutionell geförderte freie Musikschulen, Wirksamkeit der Rahmenvereinbarung SMR-Kultus zu GTA oder »Faire Lehre« ist das Gebot der Stunde.

Wo kommen wir sonst hin? »In die Hölle des Banalen? Die Hölle stelle ich mir vor wie das Zillertal. Oder wie die Tulpenfelder Hollands, oder die Passionsspiele von Oberammergau. Oder wie St. Moritz im Sommer. Jeden zweiten Tag ein neunstündiges Passionsspiel. Jeden Abend ein Konzert der Wiener Sängerknaben oder der Regensburger Domspatzen, wenn das nicht überhaupt dieselben Knaben bzw. Spatzen sind. Vormittags die Moldau unter Karajan oder etwas auf Originalinstrumenten, handgebastelt und missgestimmt von Harnoncourt. Oder Triosonaten von Telemann, Piccolini, Ricotta, dal’Abaco, Locatelli oder von Telemann, Rosenmüller, Eppenbauer Vater und Sohn, Wenzelsberger, Telemann, Muffat, Telemann oder von Hans Christian Bach oder von Wilhelm August Bach oder Carl Maria Bach oder von Johann Wolfgang Bach oder Wilhelm Friedemann Bach oder von Georg Telemann Bach für neun Blockflöten und Continuo.«

Unser Vorhaben ist: die Landeskoordinierungstelle Musikalische Bildung im Freistaat Sachsen zu einer wirkmächtig werdenden Institution aufzubauen und die/den Koordinator/in als einen wichtigen Ansprechpartner in der Kulturlandschaft zu etablieren. Wir bitten deshalb all unsere Mitglieder um die aufmerksame Begleitung des Auswahlprozesses und vor allem des dann einsetzenden Dialoges.

Mit der Herausgabe einer Richtlinie zur fairen Lehre wollen wir den Aufschlag zur fairen Entlohnung der Selbständigen Künstler/-innen aus dem Jahr 2022 komplettieren. Die Mühe die sich auch diese AG zur Zeit macht, zeitigt intensive Abwägungsprozesse wie auch erste Ergebnisse - das Papier soll und wird bestimmt auch als profund wahrgenommen werden und gilt dann hoffentlich ebenso als wertvolle Orientierung im kulturpolitischen Gestaltungsprozess.

Die Reputation des Berufsstandes Musikpädagog/-in muss auf anderem Niveau herausgestellt werden. Die Förderrichtlinie kulturelle Bildung und Musikschule sprach ich heute bereits an. Die Grundausrichtung steht mit ihr in Frage. Wir wollen - Musikschule sei eine Bildungseinrichtung. Der Entwurf formuliert: Musikschule sei eine Freizeiteinrichtung mit verstärkt musikalischen Inhalten ... Ein wichtiges Werkzeug, um unser Ziel zu erreichen, auch um die ländlichen Räume aufzuwerten, kann der Studiengang Doppelfach sein. Die Bewerberzahlen für das Lehramt Musik sind in Sachsen besorgniserregend gering. Für das Doppelfach sind sie ungebrochen hoch, dürfen bzw. können aber nicht berücksichtigt werden. Musiker/-innen wollen Lehrer und Künstler sein – das ist auch für Sachsen eine große Chance – wir müssen da Bewegung schaffen! Ich verspreche Seitens des Präsidiums Hartnäckigkeit auch bei diesem Thema.

»Ein Lehrer der nicht singen kann, den seh’ ich nicht als solchen an!«

Ich wiederhole mich in einem Punkt aus dem Vorjahr: Der Rundfunkrat des MDR arbeitet seit Februar 2022 ohne die fachkompetente Begleitung seiner drei mitteldeutschen Landesmusikräte!! Das kommt aus meiner Sicht einem Skandal gleich. Der SMR ist zwar Teil der Interessengruppe der Landeskulturverbände Sachsens und nun durch diesen im RR vertreten. Aber bereits die Neufassung des Staatsvertrages, die statt zwei nur noch einen Platz für die Kultur vorsieht, muss hinterfragt werden. Bitte lassen Sie uns nicht nachlassen darüber nachzudenken, wie wir den Einfluss unserer Interessen auf den öffentlichen Rundfunk geltend machen können. Bitte unterstützen Sie uns in der politischen Argumentation!

Zu traurig wäre doch, wenn folgende Meinung eines Tages die Realität beschreiben würde:

»Dresden steht ein Stück weit für ganz Sachsen und Dresden ist keine Kunststadt. Hier ist nichts als kleinbürgerlicher Mief und eingebil¬dete Tradition, seit ihrem August, dem Starken, einem barocken Kleinkönig, hätte sich die Stadt nicht mehr weiterentwickelt, alles wäre stehen geblieben. Am schlimmsten aber wäre die Dresdner Luft, sagte er, sie würde ständig von diesen Stadtbewoh¬nern eingeatmet und führe zur allmählichen Verblödung. […]

Überhaupt die Sachsen: Sie sind von allen Bewohnern Deutschlands vermutlich die ungebildetsten und am wenigsten kunstinteressierten. In der Musik kennen sie nur ihren Wagner, Weber und seinen Freischütz, den sie sich jedes Jahr in der Felsenbühne anhören, und manche wissen, wer Richard Strauss gewesen ist und Carl Böhm. Den barocken Hasse kennt schon kaum einer mehr und das Rachmaninoff in Dresden zwei seiner Klavierkonzerte komponiert hat, weiß niemand, nicht einmal der Rektor der hiesigen Hochschule.

Ja, die Dresdner sitzen im Sommer in ihren Biergärten entlang der Elbe und reden in ihrer breiten gemietlichen Sprache nicht von der Kunst oder ihrer Kunststadt, sondern vom Wetter und vom Sonnenuntergang, den sie je nach ihrem Sitzpunkt hinter der Pieschener Elbbiegung erleben wollen, oder hinter der bekannten Stadtsilhouette, die sie ihren Gästen zeigen, die alle Welt von den Postkarten kennt, jener Stadtsilhouette, die der italienische Maler Bellotto gemalt hat, und die als Reproduktion in allen Dresdner Wohnzimmern und in manchen Dresdner Kneipen sogar auf der Toilette hängt. Dresden ist keine Kunststadt. Dresden ist eine untergehende Stadt, die auf Schwemmsand gebaut ist.«

Wohlgemerkt: eine literarische Dystopie …

Ein ernstes Wort noch ist notwendig: »Der rußschwarze Sandstein, sei der wahre Sachse. ›Er weigert sich, das Gedächtnis zu verlieren.‹ Es ist eingebrannt wie der schwarze Regen auf der Wand in Hiroshima, als hätte ein großer Drache Tränen geweint. Das Rohe am Menschen, von dem derzeit so viel geheimnist wird und dem wir auch in Europa extrem ausgesetzt sind, ist in sein wahres Rätsel aufzulösen: die menschliche Gesellschaft. Eine Studie beschäftigt sich mit der europäischen Illusion ›einmal zivilisiert, immer zivilisiert‹. Die Illusion beginnt schon beim einmal; denn man muss nur am Lack der ›hoch entwickelten‹ Staaten kratzen, und der imperiale Leviathan kommt hervor. Was aber gibt uns Stärke? Sind wir Träumer, wenn wir antworten: Musik! Ich wußte nun, daß die Kunst nichts Harmloses ist, die leichteste Weise zugleich und ernsteste Art unsrer Existenz. Was ich lernte, war dieses Doppelte, Gerechte: die Sucht zu bewahren, und die Lust des Beginnens.«

Ich wage einen Ausblick auf die Mitgliederversammlung 2027: vermutlich und hoffentlich werde ich von vielen Erfolgen meiner Amtszeit berichten. Sicher ist aber auch, dass ich sagen werde – Ich bin als Präsident nicht 100 Mal gescheitert. Ich habe nur erfolgreich 100 Varianten entdeckt, die nicht funktionierten!

Für die Aufmerksamkeit bedankt sich ein unverbesserlich optimistischer Präsident!


Quellen:
Wolfgang Hildesmeimer, Mitteilungen an Max über den Stand der Dinge
Klaus Funke, Kammermusik
Thomas Edison
Thomas Rosenlöcher
Volker Braun
Heinrich von Kleist
Martin Luther
Norbert Elias

Rückblick des Präsidenten anlässlich der Mitgliederversammlung des Sächsischen Musikrates am 13. Mai 2023

Was wir in 2020 für eine temporäre Herausforderung hielten, hat uns bis heute in unterschiedlicher Graduierung weiter beeinflusst, wenn auch glücklicherweise nicht mehr dominiert: Die Corona-Pandemie beeinträchtigte Verbandsarbeit, beeinträchtigte Projektarbeit, wir hatten deutlich weniger Gäste in der Landesmusikakademie im Jahresdurchschnitt, im ganzen Land weniger kulturelle Begegnungen im öffentlichen Raum, jetzt ein weniger kalkulierbares Publikumsverhalten.

Wir beobachten nun drei Jahre später: Verfestigte Spaltungen, Häufung von Radikalisierung, weiterer Verlust an Qualität der demokratischen Streitkultur. Aber auch die Rückkehr in den Sehnsuchtsort Musik – endlich wieder gemeinsam Musizieren, gemeinsam Musikerlebnisse teilen!

Wir haben die Hände nicht in den Schoss gelegt.

Ergebnisse und Erfolge
  • Es gelang in der Krisensituation den Haushalt zu stabilisieren, der SMR ist ein verlässlicher Partner und genießt hohes Ansehen.
  • Walterplakette – Alin Fiedler, Britta Schwarz und Friedrich Reichel wurden geehrt. Alle drei Persönlichkeiten wurden in einer beeindruckenden Veranstaltung im Schloss Torgau gewürdigt und sind nun im Kreise derer, die unsere Arbeit repräsentieren und unterstützen.
  • Faire Vergütung! Ein deutschlandweit vielbeachtetes und wirksames Papier ist entstanden. Dank an Christian Scheibler, der dieser AG vorstand und dem es gelang, trotzt aller Fliehkräfte die bei der Entstehung obwalteten, die komplexen Zusammenhänge in verständlicher Form zu formulieren und sie dem politischen Diskurs zur Verfügung zu stellen.
  • In 2022 wurde deshalb, folgerichtig, für 2023 – das die Fragestellung zu »Faire Lehre« etabliert.
  • Die Projektarbeit des SMR war auch in 2022 eine sehr erfolgreiche. Dank gilt allen Projektmanager/-innen und vor allen den künstlerischen Leitern.
  • Instrumentenfond hat eine Schallmauer durchbrochen: Es gibt 850 Instrumente im Wert von über 3 Millionen €. Eine Erzählung der engagierten Unterstützung der Amateurmusikszene durch den Freistaat. Mittlerweile auch eine Herausforderung für die Verwaltung des Fonds…
  • Spendenprogamm Ukraine: 100.000 € kamen aus privaten Spenden zusammen, um Kindern und Jugendlichen aus den Kriegsgebieten der Ukraine schnell und unbürokratisch den Musikunterricht in unseren Musikschulen und Ensembles zu ermöglichen. (Dank an Human Stiftung und deren Geschäftsführerin Katja Mangold, die diesen Prozess maßgeblich mit voran gebracht haben.)
  • Landeskoordinierungsstelle Musikalische Bildung ist im Stellenplan des Freistaates verankert, die Ausschreibung der Koordinatorin/des Koordinators ist erfolgt und die Erwartungshaltung naturgemäß eine große …  Diese sinnvolle und notwendige Einrichtung installiert zu haben, ist ein wirklicher Erfolg unserer gemeinsamen Verbandsarbeit.
  • Nicht zuletzt ist die erfolgreiche Ausrichtung des Wettbewerbes Jugend musiziert 2022 auch ein wirkliches Glück gewesen.
Niederlagen, Scheitern
  • Uns, ich meine damit alle Mitglieder des SMR, gelang es nicht immer, sachlich, lösungsorientiert und weitsichtig über Partikularinteressen hinaus zu agieren. Es überwog natürlich und glücklicherweise eine anregende, lebendige und gerade in der Pandemie auch sehr erfolgreiche Zusammenarbeit. Die Kompetenz aus unseren Mitgliedsverbänden heraus aber könnte stärkere Wirksamkeit erlangen, wenn wir möglichst in großen Mehrheiten überzeugende Argumentationsketten und belastbare Handlungsableitungen in den vielen Herausforderungsfeldern hervorbrächten.
  • Aber selbst wenn es uns das gelang, musste man Niederlagen hinnehmen: eine solche war aus unserer Perspektive die Neuschreibung der Förderrichtlinie kulturelle Bildung und Musikschule. Auf diesem Wege müssen wir zusammen mit den politisch Agierenden weitergehen, der Istzustand kann hier nicht das letzte Wort sein, zu viele Chance wurden liegen gelassen.
  • Erinnern wir uns beispielsweise an eine Coronaverordnung aus dem November 2021, welche das Grundrecht auf musikalische Bildung junger Menschen rechtswidrig gravierend beschnitt, woraufhin wir uns als SMR gefordert sahen. Der SMR hat die gesamte Pandemiesituation mit klarer Haltung und großer Sachlichkeit im Spagat der Interessensvertretung der Mitglieder des SMR und dem vertrauensvollen Zusammenarbeiten mit der Staatsregierung gut bewältigt. Mein Dank gilt hier ganz besonders dem gesamten Präsidium – es war eine Freude, stets auf so hohem Niveau zu diskutieren und um beste Lösungen zu ringen. Im Rückblick aber zeigt sich: Besonders die Kinder und Jugendlichen hätten wir noch stärker vor unzumutbaren Belastungen schützen sollen. Das bleibt eine wichtige Lehre aus dieser Zeit, die es noch aufzuarbeiten gilt.
Und nun finde ich doch zum positiven Fokus zurück
  • Der SMR, sein Präsidium und seine Mitarbeiter haben nachgewiesen, dass sie entwicklungsfähig- und willig sind, die Herausforderungen der Zeit erkennen können und wollen und deshalb auf der Höhe der Zeit stehen.
  • All das, Erfolge und »Noch-nicht-Erfolge«, haben dem SMR auch in 2022 in der Breite der Gesellschaft viel Wertschätzung eingebracht.
  • Wieder gab es eine ungebrochene Solidarität vieler Menschen untereinander und ein hohes Spendenaufkommen zur Verteilung durch den SMR: Allen Spendern ein herzliches Dankeschön!
  • Das letzte Wort des Rückblicks gilt dem Geschäftsführer Torsten Tannenberg, den Mitarbeitern der Geschäftsstelle und der Landesmusikakademie: Berufsethos, Leidenschaft, Kompetenz, Engagement – Großartig! Dank!