Veronika Wende

Veronika Wende: Akkordeonistin, Lehrkraft, Ensembleleiterin

Ich bin ein sogenanntes Arbeiterkind, habe noch zwei Geschwister. Meine Eltern, stammen aus Ostpreußen und Oberschlesien. Die Kriegs- und Nachkriegszeit haben sie geprägt. Wie wichtig war da die Hausmusik, Volksmusik und der Gesang dazu. Abwechslung vom Alltag und der Seele immer mal was Gutes tun. Das Akkordeon hatte damals den Ruf des »Klavier des kleinen Mannes«. Man kann es überall mitnehmen, hat so ein kleines »Orchester« vor dem Bauch. Familienfeiern wurden mit Akkordeonmusik, Begleitung zu Liedern, aufgewertet und waren ein fester Bestandteil. 

Der Elternwunsch war es, dass ihre drei Kinder auch Musikinstrumente erlernen. Meine ältere Schwester lernte Akkordeon, ist nun Akkordeonlehrerin im Mühlhausen/Thüringen. Mein jüngerer Bruder lernte erst Violine und ist nun Bratscher der Staatsoperette in Dresden. Und ich? Eigentlich wollte ich Violine lernen. Ich wollte ein leichtes, elegantes Instrument spielen, nicht so ein sperriges Ungetüm. Mit pädagogischem Geschick und einfühlsamer Menschenkenntnis hat Helmut Reinbothe am Robert-Schumann-Konservatorium in Zwickau, meiner Heimatstadt, mich gelenkt, geführt und gefördert. 

Das Studium von 1980 bis 1984 an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin (Außenstelle Rostock) hat meinen musikalischen Blickwinkel erweitert. Im damaligen Kabarett »Die Hafenwellen« spielte ich Akkordeon. Welch’ Erweiterung meines musikalischen Horizonts! Dort konnte ich mit meinem Spiel Text, Gestik, Mimik und Pointen mitgestalten und verstärken, wie aufregend! Im Gegensatz zu meiner konzertanten und meist avantgardistischen musikalischen Formung empfand ich dies sehr aufregend, ganz anders, einfach toll! Nach dem Studium war ich in der Musikschule Freital tätig. Seit 1990 unterrichte ich am Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden. 

Als Lehrerin war bzw. bin ich auch in der Musikschule in Radebeul sowie in Pirna tätig. Im Gegensatz zu meiner Ausbildung wollte ich, dass meine Schüler nur »schöne« Stücke spielen, melodisch, klangvoll. Dies ist nun wirklich ein Teil meiner pädagogischen Arbeit. Wichtig ist mir, dass die erarbeitete Musik verstanden wird. 

Nur unterrichten? … Mit dem Akkordeon schnuppere ich in andere künstlerische Bereiche und bereichere mit meiner Musik das Theater, Kabarett, Lesungen – das fasziniert mich! Die Theatergruppe »Seniora« in Dresden, das HO-Theater, Märchenlesungen in der Yenize »1001 Nacht«, alles Amateurgruppen, die meinen musikalischen Horizont erweitern. Einfach mal mitspielen in einem Akkordeonorchester, ohne Verantwortung, eine schöne Erfahrung! Diese habe ich im »Dresdner Akkordeonorchester« gemacht. Später, ab 2008, habe ich bei Akkordeonata Elbflorenz dem Akkordeonorchester des Heinrich- Schütz- Konservatoriums unter der Leitung von Bärbel Claus musiziert. Schöne, warmherzige und musikalisch sehr emotionale Erfahrungen durfte ich machen. Musik verbindet! Sich aufeinander verlassen, gleiche Empfindungen teilen, Literatur kennenlernen, die solistisch nicht möglich sind, einfach »brennen« für die Akkordeonmusik in aller Vielfalt, das empfinde ich als großes Geschenk in meinem Beruf. 

Seit April 2024 leite ich dieses Orchester, eine verantwortungsvolle, schöne und herausfordernde Aufgabe, der ich mich mit Freude und Hingabe stelle!