Deutschlands größtes Akkordeon …

…  hat sogar einen Namen: Es heißt Doorlay, benannt nach seinem Auftraggeber Curt William Doorlay. Der wurde 1891 in Königsberg als Kurt Wilhelm Disselbach geboren und war Manger einer weltweit tourenden Revue. Zur Revue gehörten 150 Künstlerinnen und Künstler. Tänzerinnen, Artist/-innen, ein Orchester und Elefanten, Raubkatzen und Schlangen. Eine neue Attraktion der Revue sollte das überdimensional große Akkordeon werden. Disselbach, der sich aus Gründen der Internationalität in Doorlay umbenannt hatte, gab den Bau im Jahr 1937 in Klingenthal / Zwota bei der Firma Glaß Magister in Auftrag. Die Firma Gebr Gündel in Klingenthal leistete gewisse Vorarbeiten, dann übernahm Glaß & Schmidt in Zwota. Dazu gibt es unterschiedliche Aussagen. Frau Schlott, eine ehemalige Angestellte der FA Glaß Magister schreibt, nur ihre Firma habe mit den Doorley Sisters zu tun gehabt. Wie dem auch sei: Das Riesenakkordeon wurde gebaut und war damals das größte spielbare Akkordeon der Welt mit Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde: Zwei Meter hoch, zwei Meter breit (ausgezogen). Es besteht aus drei übereinandergesetzten Instrumenten, denn zum Reinstimmen mussten drei einzelnen Instrumente hergestellt werden. Dann wurde das Ganze den ungewöhnlichen Größenverhältnissen angepasst.

Wie war das Spielgefühl?

Um das Akkordeon bedienen zu können, muss es stehen, denn es kann aufgrund seiner Größe nicht frei gehalten werden. Am Boden sind Räder angebracht. Es ist ein Kraftakt den Pappbalg zu bewegen. Insgesamt braucht man sechs Personen um es zu spielen. Diesen Part übernahmen in der Revue sechs englische Tanzgirls. Sie beklagten sich über die Schwerfälligkeit des Instruments und baten darum, ein Gebläse einzubauen. Das Riesenakkordeon kam zum Einbau einer Gebläse-Hydraulik nochmals nach Klingenthal (Firma Barcarole) und das war seine Rettung. Der zweite Weltkrieg brach aus, in dessen Folge das Lager der Revue in München ausbrannte, während das Akkordeon sicher in Klingenthal stand.

Dornröschenschlaf

Da sich die Revue wegen des Krieges aufgelöst hatte, ist das Akkordeon nie abgeholt worden und geriet in Vergessenheit. Wertvolle Metallteile zur Materialgewinnung waren während des Krieges ausgebaut worden, das Instrument war somit nicht mehr spielbar. Im Jahr 1967 wurde es dem Musikinstrumentenmuseum in Markneukirchen übergeben. Vieles ist über die Jahre in Vergessenheit geraten, Erinnerungen sind verblasst. Überliefert ist, dass Curt William Doorlay in seinen 25 Jahren als Revuedirektor dreimal um den Erdball getourt ist. Das Akkordeon soll erstmals in Karlsbad zum Einsatz gekommen sein, dann zog die Revue weiter nach London und Südafrika. Wahrscheinlich kam es direkt nach seinem Einsatz in Karlsbad wieder zurück ins Vogtland, da es so schwer zu bedienen war. Seine Spielerinnen galten als verschollen. In Markneukirchen und Klingenthal kursiert bis heute der Mythos, die sechs Spielerinnen seien auf der Fahrt über den Atlantik mit einem Dampfer untergegangen und ertrunken.

Anruf aus Amerika

Diese Geschichte galt als wahr, bis das Telefon der Direktorin des Museums, Heidrun Eichler, in Markneukirchen klingelte und sich ein Herr Doorlay aus Amerika meldete. Der Anrufer war Jack Doorlay, ein Sohn des Revue Gründers. Er war erfreut zu hören, dass das Instrument den Krieg überlebt hatte und wusste zu berichten, dass die Geschichte mit dem untergegangenen Dampfer und den Tanzgirls nur ein Mythos ist. Die meisten Mitglieder der Revue waren mit Ausbruch des Krieges wohlbehalten in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Durch den Anruf von Jack war der Kontakt zur Familie Doorlay entstanden, eine Verbindung, die bis heute anhält. Jacks Tochter, Regina, ist eine eifrige Sammlerin historischer Dokumente und hält das Museum immer wieder mit neuen Forschungsergebnissen und Erkenntnissen auf dem laufenden. 

Akkordeon heute

Erst in Vorbereitung auf das Jahr des Akkordeons hat sich Handzuginstrumentenmachermeister Andreas Schertel das Innenleben des Instruments angeschaut, um zu sehen, ob es vielleicht doch wieder spielbar gemacht werden könnte.

Über seine Ergebnisse wird er beim Auftaktkonzert zum Jahr des Akkordeons am 22. Februar 2026 um 15 Uhr im Musikinstrumentenmuseum Markneukirchen sprechen.


Das Instrument in Zahlen

Der Riesenbalg schluckt 2.000 Liter Luft, die beim Öffnen und Schließen die vielen hundert Stimmen erklingen lassen. Sechs Personen werden dazu benötigt, denn das Instrument wiegt über 100 kg. Seine Tonfülle ist mit der einer Orgel vergleichbar. Es besitzt 128 Diskanttasten, 432 Knöpfe der Bassbegleitung und enthält 1.384 Stimmen.