Der Sächsische Musikrat e.V.

In der Überzeugung, dass Bildung und Kultur eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung unserer Gesellschaft spielen, engagieren wir uns gemeinsam mit unseren Partnern für ein lebendiges Musikland Sachsen.

Wir verstehen uns als Ratgeber und Kompetenzzentrum für Politik und Zivilgesellschaft. Wir stärken mit unserer Arbeit das Bewusstsein für den Wert der Kreativität und fördern im Besonderen das Laienmusizieren als unverzichtbaren Bestandteil des kulturellen Lebens.

Der Sächsische Musikrat (SMR) hat sich zur Aufgabe gemacht die Musiktradition in Sachsen zu pflegen, sowie das zeitgenössische Musikschaffen zu unterstützen. Als größtem kulturellem Dachverband in Sachsen gehören dem SMR derzeitig 49 Landesverbände und Institutionen an.

Im Abstand von zwei Jahren verleiht das Präsidium des Sächsischen Musikrates die Johann Walter Plakette an Persönlichkeiten, die sich durch ihr Engagement im Musikleben des Freistaates besondere Verdienste erworben haben.

Wir betreiben als Weiterbildungsstätte die Sächsische Landesmusikakademie im Schloss Colditz. 

Der SMR ist Mitglied im Deutschen Musikrat und der Interessengemeinschaft der Landeskulturverbände in Sachsen.

Er wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.

 
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Allgemeines 06.10.2018 Musik gegen den Krieg

Das Landesjugendorchester Sachsen konzertiert gemeinsam mit der Singakademie Dresden in Sachsen und Südafrika

54. Projekt des Landesjugendorchesters Sachsen Herbst 2018

Konzerte
11.10.2018, 19:30 Uhr, Kreuzkirche Dresden
12.10.2018, 20:00 Uhr, Gewandhaus Leipzig
13.–22. Oktober 2018, Konzertreise nach Südafrika

Mitwirkende
Andiswa Makana (Sopran)
Siyabonga Maqungo (Tenor)
Daniel Ochoa (Bariton)
Sinfonietta Dresden
Großer Chor und Kinderchor der Singakademie Dresden
Mitglieder des Mädchenchors des Heinrich-Schütz-Konservatoriums Dresden
Symphony Choir of Johannesburg
Landesjugendorchester Sachsen

Leitung
Ekkehard Klemm (11.10.2018)
Milko Kersten (12.10.2018)

 

»My subject is War, and the pity of War,
The Poetry is in the pity …
All a poet can do today is warn.«

(Wilfred Owen, Vorwort zur Partitur)

2018 jährt sich das Ende des 1. Weltkrieges zum 100. Mal. Kunst und Musik haben sich in vielfacher Weise mit dem Thema der Gewalt auseinandergesetzt. Der Text des 1918 gefallenen Dichters Wilfried Owen (1893–1918) ist die Basis für Benjamin Brittens »War Requiem«, eines der eindrücklichsten musikalischen Zeugnisse gegen den Krieg. Geschrieben für die Weihe der neuen Kathedrale in Coventry hat das Werk für die Partnerstadt Dresden eine besondere Bedeutung. Das »War Requiem« steht im Mittelpunkt eines Projekts zwischen Deutschland und Südafrika, denn auch dort endete 1918 der 1. Weltkrieg. Die Reflexionen über Krieg, Diktaturen und Apartheid begegnen sich schicksalhaft in der Auseinandersetzung mit Brittens Werk und den Ausführenden aus zwei Kulturen. In einer Kontinente umspannenden Aufführungsserie begegnet das Landesjugendorchester Sachsen ambitionierten Amateurchören aus Dresden, Johannesburg und Cape Town sowie hochkarätigen deutschen und afrikanischen Musikern. In Begleitprogrammen werden die Ausführenden – insbesondere die jugendlichen Musikerinnen und Musiker – mit der Geschichte von Krieg, Gewalt und Apartheid in den jeweiligen Ländern und Städten sowie über die Geschichte und die Intentionen von Brittens Werk informiert, besuchen Gedenkstätten in Johannesburg und Soweto. Einen ganz besonderen Impuls der friedensstiftenden Begegnung erhält das Projekt dadurch, dass die Musikerinnen und Musiker sich gegenseitig beherbergen und Begegnungen mit den Deutschen Schulen in Johannesburg und Cape Town organisiert werden – damit wird nicht zuletzt auch Brittens Idee der Versöhnung in seinem Sinne musiziert und transportiert.

Die Solisten Andiswa Makana (Sopran), Siyabonga Maqungo (Tenor) und Daniel Ochoa (Bariton) sind junge in Deutschland lebende Sänger mit teils afrikanischem Hintergrund, mit denen ein weiterer kultureller Bogen gespannt wird. Die Singakademie Dresden unter der Leitung von Prof. Ekkehard Klemm wird sängerisch durch den Symphony Choir of Johannesburg unterstützt. Zum Landesjugendorchester Sachsen tritt desweiteren die Sinfonietta Dresden unter der Leitung von Richard Cock hinzu.

Das Landesjugendorchester Sachsen (LJO) ist seit 1992 die Anlaufstelle für ambitionierte junge MusikerInnen aus Sachsen, von denen viele am Anfang einer professionellen Musikerlaufbahn stehen. Die 14- bis 26-jährigen sind der talentierte Nachwuchs der klassischen Musiklandschaft des Freistaats und vielmals »Jugend musiziert«-Preisträger, die in der Probenarbeit lernen, was es heißt, sich auf andere verlassen zu können, zuzuhören, aufeinander zu reagieren und sich inspirieren zu lassen.

In zwei Probephasen im Jahr werden abwechselnd mit dem künstlerischen Leiter Prof. Milko Kersten und ständig wechselnden Gastdirigenten auf professionellem Niveau Programme erarbeitet, die alle stilistischen Bereiche abdecken. Die einzelnen Stimmgruppen arbeiten dabei mit Dozenten aus renommierten sächsischen Orchestern zusammen wie der Sächsischen Staatskapelle Dresden, dem Gewandhausorchester Leipzig oder der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz. Dabei bekommen die jungen Talente einen Einblick in die Arbeitsweisen und Abläufe im Alltag eines Berufsmusikers. Gerade diejenigen, die vor der Entscheidung stehen, das Musizieren zum Beruf zu machen, profitieren von diesen Erfahrungen.

Aber nicht nur auf musikalischer Ebene entwickeln sich die Jugendlichen weiter, auch persönlich sind die Projekte immer wieder eine Herausforderung, an der sie wachsen. Hier werden ganz grundlegende zwischenmenschliche Werte gefordert. Man lernt, die Leistung anderer zu wertschätzen, Disziplin und Motivation an den Tag zulegen und sich vollkommen auf eine Sache einzulassen, sich und jeden Einzelnen als Teil von etwas Größeren zu erkennen. Die Energie, die dabei entsteht, wird bei den Konzerten nahezu greifbar. Das LJO Sachsen hat sein Publikum bisher nicht nur in Deutschland begeistert, sondern auch in Polen, Russland, Ungarn, Italien, Großbritannien, Zypern, den USA, in Südafrika, China, Karelien oder Peru. In mehreren CD-Aufnahmen ist es gelungen, dieses Ereignis nicht nur im Konzertsaal erlebbar zu machen.

Personalia 26.09.2018 Neue Orchestermanagerin der Sächsischen Bläserphilharmonie

Barbara Venetikidou tritt Mitte September die Nachfolge von Gabriele Hegner an.

 

Barbara Venetikidou tritt die Nachfolge von Gabriele Hegner an, die im April die Geschäftsführung der Trägergesellschaft »Deutsche Bläserakademie« übernommen hatte. Die Berlinerin mit griechischen Wurzeln studierte Klarinette an der Universität der Künste Berlin und an der Hochschule für Musik Würzburg. Sie spielte vier Jahre Klarinette an der Nationaloper Griechenlands in Athen und dozierte am Staatskonservatorium ihrer Heimatstadt Thessaloniki. Danach war sie sechs Jahre Solo-Klarinettistin beim Landespolizeiorchester Brandenburg, bevor Sie sich für ein Masterstudium in Kultur- und Medienmanagement an der Freien Universität Berlin entschied. Barbara Venetikidou leitete zuletzt das Künstlerische Betriebsbüro des »Gustav Mahler Jugendorchesters« in Wien und ist nun glücklich wieder in ihrer Wahlheimat Deutschland arbeiten zu können: »Aus der wunderbaren Welt der Blasinstrumente kommend, ist es mir eine enorme Freude, diesmal in einer anderen Funktion zu einem Bläserensemble zurückzukehren. Der hervorragende Ruf der Sächsischen Bläserphilharmonie ist mir schon seit über 15 Jahren bekannt und es ist mir eine große Ehre, diesen wichtigen Namen nun selber zu tragen und zu repräsentieren!« Die Sächsische Bläserphilharmonie ist das einzige Kulturorchester Deutschlands, das in ausschließlich sinfonischer Bläserbesetzung auftritt und ist damit einzigartig in der deutschen Orchesterlandschaft. Im Herbst des vergangenen Jahres wurde das Orchester in das Förderprogramm »Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland« aufgenommen, das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wird.

www.saechsische-blaeserphilharmonie.de

Preise & Stipendien 10.09.2018 Johann Walter Plakette 2018

Der Sächsische Musikrat e.V. vergibt am 15. September 2018 zum neunten Mal die Johann Walter Plakette, die in diesem Jahr an Steffen Schleiermacher und Thomaskantor Prof. Gotthold Schwarz geht.

 

Der lebendige Reichtum sächsischer Musikkultur, die für viele Menschen zum inneren Besitz gehört, ist wesentlich der Hingabe musikbegeisterter Menschen an die Kunstausübung zu danken. In der Überzeugung, dass allein die aktive Musikpflege die Zukunft unserer Musikkultur gewährleistet, hat der Sächsische Musikrat die Johann Walter Plakette gestiftet, um mit ihrer Verleihung aller zwei Jahre auf beispielhafte Leistungen im Musikleben unseres Landes aufmerksam zu machen.

Der Sächsische Musikrat e.V. vergibt am 15. September 2018 zum neunten Mal die Johann Walter Plakette. Die Vergabe erfolgt an zwei Persönlichkeiten, die sich um die Pflege der Musiktradition und des Musiklebens in Sachsen, die Förderung des musikalischen Nachwuchses oder die Entwicklung des zeitgenössischen Musikschaffens in Sachsen besondere Verdienste erworben haben. Benannt ist die Plakette nach Johann Walter (*1496 in Kahla, †1570 in Torgau). Der enge Freund Martin Luthers und dessen musikalischer Berater wirkte 1525 maßgeblich bei der Gestaltung der »Deutschen Messe« mit. Von 1526 bis 1548 leitete Johann Walter die Torgauer Stadtkantorei. Diese wurde zum Ur- und Vorbild des lutherischen Kantoreiwesens. 1548 in das Amt des Hofkapellmeisters nach Dresden berufen, gründete und leitete Johann Walter die Kurfürstliche Hofkantorei. Als lutherischer »Ur-Kantor« schuf er die Grundlage für die evangelische Kirchenmusik. Der Lehrer, Kantor, Dichter und Komponist Johann Walter hat einen historischen Beitrag für die Wende zur Neuzeit in Deutschland und Europa geleistet. 

Mit Steffen Schleiermacher und Thomaskantor Prof. Gotthold Schwarz werden im Jahr 2018 zwei Persönlichkeiten die Ehrung erhalten, die auf sehr unterschiedliche Weise die Musikkultur in Deutschland befördert haben.

Thomaskantor Prof. Gotthold Schwarz wird für seine jahrzehntelangen künstlerischen Verdienste als Exponent einer historisch informierten Aufführungspraxis, herausragender Sänger und Initiator zahlreicher und angesehener Vokal- und Instrumentalensembles in Sachsen die Johann Walter Plakette des Sächsischen Musikrates verliehen. Mit Gotthold Schwarz besitzt das Musikleben eine in Deutschland und international hoch angesehene Persönlichkeit. In seinem vielfältigen Wirken und seiner lebenslangen Verbundenheit zum Leipziger Thomanerchor hat er Wesentliches für die Pflege der Kirchenmusik und die Beständigkeit unserer Musikkultur bewirkt.

Steffen Schleiermacher wird für sein künstlerisches Wirken als Komponist, Pianist und Dirigent und die damit verbundenen Verdienste um die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts und deren Vermittlung die Johann Walter Plakette des Sächsischen Musikrates verliehen.Mit Steffen Schleiermacher besitzt das Musikleben eine hoch angesehene Persönlichkeit, die im eigenen Schaffen und im Engagement für die zeitgenössische Musik national und international wesentliche Beiträge zur lebendigen Fortentwicklung unserer Musikkultur geleistet hat.

Der Präsident des Sächsischen Musikrates e.V., Prof. Dr. Christoph Krummacher wird die Auszeichnungen in einer öffentlichen Veranstaltung am Samstag, 15. September 2018, 15 Uhr in der Torgauer Schlosskapelle verleihen.

Allgemeines 05.09.2018 Stellenausschreibung

Für die Landesmusikakademie Sachsen wird ein neuer Projektleiter gesucht

 

Stellenausschreibung
Projektleiter Landesmusikakademie Sachsen (m/w/d), E 11 TV-L (Vollzeit)
Besetzung zum 1. Januar 2019

Der Sächsische Musikrat e.V. ist Träger der Landesmusikakademie Sachsen im Schloss Colditz. Sie dient Musikern und Gästen aus ganz Deutschland und Europa als Proben- und Tagungshaus sowie Veranstaltungs- und Weiterbildungszentrum. Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt auf der Organisation des Akademiebetriebs und des Betriebs der Räume, der Fortentwicklung eines eigenen Kursangebotes sowie der Koordination der Zusammenarbeit mit der Europa-Jugendherberge Schloss Colditz. Der Projektleiter ist Teil eines Teams von acht Mitarbeitern des Sächsischen Musikrates in den Betriebsstätten Colditz und Dresden.

Voraussetzungen für diese Tätigkeit sind ein abgeschlossenes Studium. Berufspraxis und Interesse an Aufgaben im Kulturmanagement werden erwartet. Organisatorische Erfahrung und Aufgeschlossenheit für betriebliche Arbeitsabläufe sind ebenso erforderlich wie Kommunikations- und Teamfähigkeit, Verlässlichkeit und Belastbarkeit. Bereitschaft zu Mobilität und flexibler Zeiteinteilung (auch an Abendstunden und an Wochenenden) sind unverzichtbar. Arbeitsort ist Colditz.

Bewerbungen sind bis zum 12.10.2018 an den Sächsischen Musikrat, Glashütter Str. 101a, 01277 Dresden oder bevorzugt per E-Mail in einer Datei an Torsten Tannenberg zu richten. Da wir Ihre Unterlagen nicht zurücksenden, bitten wir Sie, Ihrer Bewerbung nur Kopien beizulegen.

Kulturpolitik 24.08.2018 Im Osten nichts Neues …?

Gesellschaftspolitische Dimensionen Kultureller Bildung in Ost- und Westdeutschland – Fachbegegnung am 24. September 2018 in Leipzig

Kultur öffnet Welten ist das bundesweit größte Netzwerk für Diversität und Kulturelle Teilhabe, initiiert von Bund, Ländern, Kommunen, künstlerischen Dachverbänden, der Zivilgesellschaft inklusive Migrant/innenselbstorganisationen. Wir wollen gemeinsam sichtbar machen, wie sich Kulturschaffende und -institutionen für Kulturelle Teilhabe und Vielfalt engagieren. Kultur öffnet Welten wird als Teil des Kompetenzverbundes Kulturelle Integration und Wissenstransfer KIWit von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

 

Ziel der Fachbegegnung ist ein Augenmerk auf die jeweiligen politischen und kulturellen Entwicklungslinien in den ost- und westdeutschen Bundesländern zu legen und ihre Bedeutung für die Praxis Kultureller Bildung zu diskutieren. Gibt es Unterschiede in Konzepten, Ansätzen, Methoden oder Formaten Kultureller Bildung? Und wenn ja, welche? Expert/innen und Teilnehmer/innen aus Ost und West suchen im Dialog miteinander nach einem reflektierten Zugriff auf die gesellschaftspolitische Dimension Kultureller Bildung. Die Fachbegegnungen richten sich an Expert/innen und Akteure aus Kunst und Kultur, Soziokultur, Bildung, Zivilgesellschaft inklusive Migrant/innenselbstorganisationen, Kulturadministration und Kulturpolitik.

Montag, 24. September 2018, 10-17 Uhr, Oper Leipzig, Konzertfoyer

Veranstalter: Kultur öffnet Welten, c/o netzwerk junge ohren e.V.

Anmeldung per Anmeldeformular oder per E-Mail.  Die Teilnahme an der Fachbegegnung ist für Sie kostenfrei.

Programm (pdf)

 

 

 

Personalia 13.06.2018 Rastlos für die Kunst

Ludwig Güttler feiert heute seinen 75. Geburtstag

 

»Ein ruhiger Zeitgenosse war ich nie«, gab Ludwig Güttler vor ein paar Jahren in einem Interview zu. »Ich stamme sicher von Nomaden ab, die sich an vielen Orten heimisch fühlen und immer schon den nächsten Ort anstreben – zu DDR-Zeiten war ich eher im Ausland zuhause …« Immerhin ist Dresden dem geborenen Erzgebirger nun schon seit Jahrzehnten ein Zuhause, eine Heimat. Dresden - und seine Frauenkirche.

Güttler kommt aus einer musikalischen Familie, studierte in Leipzig, avancierte schnell zu einem der wichtigsten und besten Trompeter der DDR. Seine Scharmützel mit der Staatsmacht schilderte Alexandra Gerlach in ihrem Porträtbuch »Mit Musik Berge versetzen« (2011) eindrücklich. Wer das Buch liest, versteht besser, wie Güttler zu dem Menschen wurde, werden musste, der er heute ist: von Altersmilde nicht die Spur. Humorvoll kann er sein, und, ja, produktiv aufbrausen kann Güttler noch immer. Davon wissen Berufskollegen, Mitstreiter, Politiker ein Lied zu singen. Immer geht es ihm dabei um die Sache: etwas geht nicht schnell genug, jemand hat irgendetwas nicht zu Ende gedacht, nachlässig geplant. Nix da - wenn Güttler an Bord ist, hat die Sache zu funktionieren; man hat Schritt zu halten! Anders ist es ja auch nicht zu erklären, wie er Erlebnisse, Erfahrungen, Anekdoten sammeln konnte, die für fünf Leben reichen würden. 1500 Benefizkonzerte hat Güttler für die Frauenkirche gegeben. Und sein Kalender ist dieser Tage kaum weniger gefüllt: Man muss sich nur mal den Monat Dezember ansehen. In Güttlers musikalischem Hauptkampfmonat sind dieses Jahr neunzehn Konzerte aufgelistet. Am Nikolaustag konzertiert Güttler in seiner geliebten Frauenkirche, sein Blechbläserensemble spielt tags drauf in St. Marien in Pirna, hernach in St. Michaelis in Hamburg, in Bad Segeberg; die Virtuosi Saxoniae treten eine Woche später wiederum in der Frauenkirche auf, danach in Köln und München. Einen Tag vor Weihnachten steht die inzwischen legendäre Vesper vor der Frauenkirche an, zu Weihnachten spielt Güttler in Berlin, nach den Feiertagen wiederum in der Frauenkirche, danach bis Silvester in kleineren sächsischen Kirchen … Noch Fragen? Nein? Na, dann los!

Güttler, das versteht, wer seine Aufnahmen hört, seine Texte liest, ist ein rastloser Musiker, Forscher, Manager, Dirigent, Festival-Leiter und Kulturstreiter. Seine jüngste CD-Veröffentlichung »EDITION EUROPA« versucht sich an einer inhaltlichen Klammer des Kontinents, beschwört die einigende Kraft der Musik. Die kleine Box versammelt Musik von Hasse, Zelenka, Bach, Händel, Zelenka, Vivaldi (»Ein Fixstern neben Bach«), Haydn, Mozart, Dvorak. Und wir hören ein »Concerto Es-Dur für Corno da caccia« von Jan Krtitel Neruda, Abkömmling einer Musikerfamilie, die mehrere Generationen lang Mitglieder der Dresdner Hofkapelle stellte. Güttler studierte die Partitur im Kloster Osek (Ossegg) und erkannte: eine Solopartie in dieser Höhe, das konnte nicht für Trompete geschrieben sein. Neruda hatte für ein Diskantinstrument komponiert, eben das »Corno da caccia«, das Güttler in den achtziger Jahren in Zusammenarbeit mit dem Instrumentenbauer Friedbert Syhre (1938-2008) nachempfinden half.

In der Landesmusikakademie Sachsen hat der Trompeter, der noch zu DDR-Zeiten, so schätzt ein damaliger SPIEGEL-Artikel, über neuntausend junge Trompeter direkt ausbildete oder indirekt über sein schriftliches Lehrwerk prägte, letztes Jahr vier Tage lang einen Meisterkurs geleitet. Neben seinen Konzerten findet Güttler immer noch Zeit für Interviews, Gesprächsrunden, Veröffentlichungen, Stiftungsarbeit, lokale Nachwuchsförderung. Und rastlos musiziert er nach wie vor. »Für das, was ich geschafft habe, bin ich dankbar. Was ich gerne geschafft hätte, bleibt wünschens- und erstrebenswert.« In diesem Sinne gratulieren wir zum fünfundsiebzigsten Geburtstag – und freuen uns auf die Dinge und Themen, die dem Altmeister (das darf man doch ab jetzt sagen?) nun die nächsten Jahre erstrebenswert sein werden: Stiftungsarbeit, Förderpolitik, Musikforschung, und immer wieder die Musik, die Königin aller Künste. Ihr hat Ludwig Güttler sein Leben verschrieben. Kompromisslos.

Allgemeines 01.06.2018 Dreiklang – Mitteldeutscher Kinderchor

Kinder- und Jugendchöre aus Mitteldeutschland proben und singen gemeinsam in Chemnitz

 

Über hundert Kinder und Jugendliche aus Kinderchören Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens werden am kommenden Wochenende in Chemnitz gemeinsam singen. Am Projekt »Dreiklang – Mitteldeutscher Kinderchor«, einem dreitägigen Workshop für Kinder- und Jugendchöre, werden der Kinder- und Jugendchor Eisleben (Sachsen-Anhalt), die ChorisTeens aus Erfurt (Thüringen), der Kinderchor Romain-Rolland-Gymnasium Dresden (Sachsen) und der Chor am Dr.-Wilhelm-André-Gymnasium Chemnitz teilnehmen.

Die Kinder und Jugendlichen werden vom 1. bis zum 3. Juni gemeinsam proben und ein Programm für das Abschlusskonzert am 3. Juni in der St.-Pauli-Kreuz-Kirche Chemnitz einstudieren. Sie werden in diesem Konzert als einmaliger »Mitteldeutscher Kinder- und Jugendchor« zu hören sein. Die Kinder- und Jugendchöre werden sich dem Publikum zudem einzeln mit Stücken aus dem eigenen Repertoire präsentieren. Das Projekt wird in diesem Jahr musikalisch von Steffen Klaumünzner, Leiter des Zwickauer Schwanenschloss-Kinderchores, geleitet. In den Proben wie im Konzert leiten zudem die Dirigenten und Dirigentinnen der angereisten Chöre einzelne Stücke ihrer Chöre. »In unserem Projekt sollen die jungen Sängerinnen und Sänger erfahren, wie Chormusik im Amateurbereich mit professionellem Arbeiten einher geht«, umreißt Thomas Lohse, Geschäftsführer des Sächsischen Chorverbandes e.V., das mitteldeutsche Dreiländer-Chorprojekt. Den Kinder- und Jugendchören sowie ihren Chorleitern werden moderne Formen der Probenarbeit und des Chordirigierens vermittelt. »Dazu erleben sie das Chorsingen in der Gemeinschaft, trainieren ihre eigene Singstimme und lernen nicht zuletzt in einer lockeren und fröhlichen Atmosphäre gemeinsam.« Bereits im Vorfeld des Projektes »Dreiklang – Mitteldeutscher Kinderchor« haben die Chorleiter der beteiligten Chöre und die künstlerische Leitung des Projektes das künstlerische Programm besprochen. So konnten die Chöre die Stücke mit Blick auf das Projekt-Wochenende vorbereiten. »Innerhalb des Projektes wird den Kindern und Jugendlichen ein altersgerechter Zugang zu klassischer wie zu moderner Chormusik vermittelt.« Es gehe dabei weniger um Spitzenleistungen, sondern um die Freude am Chorgesang, so Thomas Lohse. »Diese Freude unserer jungen Chorsängerinnen und Chorsänger verbreitet sich schnell bei unseren Abschlusskonzerten unter dem Publikum.«

Der Sächsische Chorverband e.V. richtet zum dritten Mal das Dreiländerprojekt aus. 2010 haben die drei mitteldeutschen Chorverbände erstmals Kinder- und Jugendchöre zu dem gemeinsamen Chorprojekt eingeladen. Inzwischen ist das Projekt zu einer Plattform des jährlichen Erfahrungsaustauschs zur Kinder- und Jugendchorarbeit geworden. Im Wechsel richten der Sächsische Chorverband, der Chorverband Sachsen-Anhalt und der Thüringer Sängerbund das Projekt in ihren Bundesländern aus. Die Künstlerische Leitung übernehmen jeweils erfahrene Dozenten, die selbst Kinder- und Jugendchöre leiten. Die Chöre werden von den jeweiligen Landesverbänden zu dem Projektwochenende eingeladen und delegiert. Zusätzlich laden die Organisatoren einen Chor der jeweils gastgebenden Stadt zu dem Workshop ein.

Zu ihrem Abschlusskonzert laden die vier Kinderchöre am 3. Juni um 14.30 Uhr in die St.-Pauli-Kreuz-Kirche Chemnitz ein. Der Eintritt zu dem Konzert ist frei, um eine Spende wird gebeten.

Personalia 16.04.2018 Gabriele Hegner

Sächsische Bläserphilharmonie und Deutsche Bläserakademie haben eine neue Geschäftsführerin

 

Gabriele Hegner hat nach knapp zwei Jahren als Orchesterdirektorin und Orchestermanagerin die Geschäftsführung der Sächsischen Bläserphilharmonie und der Deutschen Bläserakademie übernommen.

Sie löst damit ab April Heiko Schulze ab, der die Geschicke seit 1996 in Bad Lausick führte. »Mein Ziel ist es, die Wahrnehmung unserer Institution, sowohl der Sächsischen Bläserphilharmonie als auch der Deutschen Bläserakademie deutlich zu verstärken. Die Bereiche Marketing und Sponsoring müssen sich massiv verändern. Wir wollen nicht nur überregional, sondern auch in unserer Heimat die Menschen erreichen und überzeugen. Es wird Zeit für die Marke ›Sächsische Bläserphilharmonie‹!«, so Gabriele Hegner über ihre Zukunftsplänen. Gabriele Hegner bringt durch ihre 10-jährige Erfahrung als Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros der Hofer Symphoniker sowie ihre bereits 14-jährige Praxis als selbständige Künstleragentin und Eventmanagerin in Frankfurt am Main die nötige Erfahrung für diese Position mit. Dass sie selbst Orchestermusik studiert hat und als Fagottistin tätig war, kommt der Bläserphilharmonie ebenso entgegen.

Die Sächsische Bläserphilharmonie ist das einzige Kulturorchester Deutschlands, das in ausschließlich sinfonischer Bläserbesetzung auftritt. Mit seinem knapp 70-jährigen Bestehen kann das Ensemble, ehemals Rundfunk-Blasorchester Leipzig, auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Seit 2011 ist Thomas Clamor als Chefdirigent für die Sächsische Bläserphilharmonie tätig. Neben Konzerttätigkeiten im Inland fungiert das Orchester auch als Kulturbotschafter, die die Musiker unter anderem nach China, Venezuela und Australien führte. Im Herbst des vergangenen Jahres wurde das Orchester in das Förderprogramm »Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland« aufgenommen, das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert wird.

Allgemeines 28.03.2018 Mozart on Mortality

Das Landesjugendorchester Sachsen probt zu Ostern in der Landesmusikakademie Sachsen und lädt anschließend zu zwei Konzerten in Leipzig und Dresden ein.

  • Michael Nyman: Mozart on Mortality für Sopran und Kammerensemble
  • W. A. Mozart: Chi sá, chi sá, qual sia KV 582, Konzertarie für Sopran und Orchester
  • Yasuo Kuwahara: Raidoh - Konzert für Mandoline und Orchester
  • Rainer Lischka: Konzert für Posaune und Orchester W. A. Mozart: Sinfonie g-Moll KV 550

Teaa An, Sopran
Adrian Wehle, Posaune
Clara Weise, Mandoline
Landesjugendorchester Sachsen
Leitung: Milko Kersten

Konzerte
Sa, 07.04.2018, 20 Uhr,
Kunstkraftwerk Leipzig,
Saalfelder Straße 8b, 04179 Leipzig
(Tickets: 15,– €, erm. 8,– €)

So, 08.04.2018, 19.30 Uhr,
Hochschule für Musik Dresden,
Wettiner Platz 13, 01067 Dresden
(Tickets: 9,50 €,  erm. 6,– €)

Ticketverkauf für beide Konzerte über reservix.de und an der Abendkasse

 

Am 4. April 1787 schrieb W. A. Mozart in einem Brief an den Vater: »… Und ich danke meinem Gott, daß er mir das Glück gegönnt hat, mir die Gelegenheit (Sie verstehen mich) zu verschaffen, ihn als den Schlüssel zu unserer wahren Glückseligkeit kennen zu lernen. Ich lege mich nie zu Bette, ohne zu bedenken, daß ich vielleicht (so jung als ich bin) den andern Tag nicht mehr sein werde …« Der Komponist war erst 31 Jahre alt und schrieb derlei Gedanken über das Ende. Nur ein Jahr später entstanden seine letzten 3 großen Sinfonien, eine davon in g-Moll. Die Mitglieder des LJO Sachsen haben Kompositionen der Wiener Klassik stets auf dem Wunschzettel, eine der großen Sinfonien zu spielen ist nun Premiere.

Michael Nyman hat 1992 Mozart on Mortality komponiert – eine kleine Kammer-Ouvertüre, die den Brieftext an den Vater vertont und in unsere Zeit holt. Konzerte des LJO Sachsen bieten in aller Regelmäßigkeit jungen Solisten die Gelegenheit, sich zu präsentieren. Mozarts Konzertarien werden leider nur selten aufgeführt, in diesem Programm der ideale Rückgriff zum Original nach Nymans Eingangsstatement. Dessen Musikstil basiert auf dem Strömen von kleineren Klangbausteinen, die sich dann in ihrer Proportionalität zu einem Ganzen entwickeln können. Ein Prinzip, das auch die Wiener Klassik bereits kannte und welches gerade in dem ostinaten Beginn der g-Moll-Sinfonie den immer wieder aufs Neue beeindruckenden Sog in eine melancholisch-bewegte Klangwelt erzeugt.
Dieses Strömen von Musik macht der japanische Komponist Yasuo Kuwahara zum Thema eines ganzen Mandolinenkonzertes. Dabei ist er den Klängen der Natur auf der Spur, die in ihrer rhythmischen Raffinesse und lautmalerischen Phantasie die asiatische Herkunft nicht verleugnen, westeuropäische Traditionen aber bewusst liebevoll einschließt. Mit einem Konzertstück für Posaune und Orchester wird sich der derzeitige Soloposaunist des LJO präsentieren und damit musikalische Werbung machen für ein Instrument, für das es momentan in Sachsen nicht zuviel Nachwuchs gibt …

Kulturelle Bildung 23.03.2018 Kulturelle Bildung ist kein Abstraktum ...

Der Sächsische Musikrat zum Handlungsprogramm »Nachhaltige Sicherung der Bildungsqualität in Sachsen«

 

Kulturelle Bildung ist kein Abstraktum, sondern bedarf der eigenen elementaren Betätigung und Erfahrung

Der Präsident des Sächsischen Musikrates, Prof. Dr. Christoph Krummacher, hat sich am 21. März mit einem Schreiben an Staatsminister Christian Piwarz gewandt.

Die mit dem Handlungsprogramm »Nachhaltige Sicherung der Bildungsqualität in Sachsen« in Aussicht gestellten Verbesserungen der Rahmenbedingungen für Schulbildung in Sachsen werden dahin grundsätzlich begrüßt. Der Sächsische Musikrat verweist in dem Scheiben auch auf Meldungen, nach denen im Fach Musik Reduktionen geplant sind. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen aus den letzten Jahrzehnten belegen eindeutig die hohe Bedeutung der musisch-ästhetischen Schulfächer und insbesondere des Musikunterrichtes für die soziale Bildung und den Zusammenhalt von Kindern und Jugendlichen – im Klassenverbund und lebenslang. »Der Stellenwert der entsprechenden Bildungsinhalte ist in besonderer Weise hinsichtlich sozial schwächerer Milieus und deren Integration und Teilhabe wichtig«, so Krummacher. Insofern sieht der Musikrat die Stärkung der politischen und sozialen Bildung im unmittelbaren Zusammenhang mit der musisch-ästhetische Bildung. »Kulturelle Bildung ist kein Abstraktum, sondern bedarf der eigenen elementaren Betätigung und Erfahrung, wie sie nur im obligatorischen Fachunterricht vermittelbar sind«, heißt es im Schreiben. Die weitere Stärkung der Ganztagsangebote wird dies nicht leisten können, jedenfalls nicht in der bisher gegebenen Qualität und Verbindlichkeit.

Der Sächsische Musikrat hofft auf eine breite Bildungsdiskussion in Sachsen, die für Deutschland vorbildhaft sein könnte. Die Expertise des Musikrates und seiner Mitglieder, u.a. der beiden Musikhochschulen in Sachsen, des Bundesverbandes Musikuntericht und außerschulisch agierender Akteure wie den Musikschulen und Chorverbänden sollten dabei hilfreich sein.

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